Anna NeroAlina KirschBen BillhardtCaroline CramerCharlott MeiselElektra TzamouranisEly GruberFelicitas GoltzFriederike von HellermannGabriela GuarnizoHenning GundlachJan EikenJohanne SteinerJohannes RochhausenJonas MosbacherJiongji WangKira KleinLuca JapkinasMichelle SorinMingren LiNaomi PietrosNele Hendrikje SandnerNina HachOskar RinkPaula HackerPaul McDevittRike BewerTilo BaumgärtelFelt Cute, Might Delete Later

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Anna NeroAlina KirschBen BillhardtCaroline CramerCharlott MeiselElektra TzamouranisEly GruberFelicitas GoltzFriederike von HellermannGabriela GuarnizoHenning GundlachJan EikenJohanne SteinerJohannes RochhausenJonas MosbacherJiongji WangKira KleinLuca JapkinasMichelle SorinMingren LiNaomi PietrosNele Hendrikje SandnerNina HachOskar RinkPaula HackerPaul McDevittRike BewerTilo BaumgärtelFelt Cute, Might Delete Later

Text by Liviane Linder

Diese Ausstellung zeigt Werke der Malereiklasse von Prof. Tilo Baumgärtel und Prof. Oskar Rink sowie der Grafikklasse von Prof. Paul McDevitt an der Burg Giebichtenstein Kunsthochschule in Halle. Sie umfasst verschiedene Interpretationen des Themas Selbstporträtierung von insgesamt 29 Studierenden und Lehrenden.

Die Selbstbetrachtung und Forderung nach bildhafter Identität exemplifiziert sich innerhalb der Kunsthistorie anhand diverser Darstellungsformen. Ob Dürer, Velásquez, Gentileschi oder Courbet – sie alle verbindet der Drang nach persönlicher Visualität innerhalb der bildenden Kunst. Mit der Etablierung der Fotografie verändert sich jedoch die Wahrnehmung des Selbstbildnisses, da die gemalte Notwendigkeit dem fotografischen Fortschritt weicht. Künstler:innen werden unter dem vermeintlichen Druck des digitalen Zeitalters vor die Schwierigkeit gestellt, sich inmitten des Überflusses inszenierter Bildwelten temporär mit einer bestimmten Version des Selbst und der Ergründung desselbigen zu konfrontieren.

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die humoristische Bildüberschrift eines Twitter-Memes von 2017, welches seitdem verlässlich und in vielfältigen Variationen die digitalen Hemisphären unserer sozial-medialen Welt erobert. Die Bildmakroserie mit dem #feelingcutemightdeletelater (dt.: fühlte mich süß, lösch’s vielleicht später) umfasst Bilder von Menschen, Tieren und fiktiven Charakteren, die Selfie-Fotos mit ebendieser Beschriftung versehen. Dadurch bekommt beispielsweise eine entstellte Zeichnung – wie die des aus der Fernsehserie SpongeBob Schwammkopf bekannten Thaddäus Q. Tentakel, der mitsamt Smartphone vor einem Spiegel posiert – eine humorvollere Tendenz.

Auf den ersten Blick wirkt der Hashtag wie eine weitere popkulturelle Erscheinung einer Generation, die verblendet von der virtuellen Welt weder Aufmerksamkeit noch Interesse für wesentliche, anthropologische Fragen aufweist. Doch dahinter verbirgt sich die zuweilen philosophische, gleichfalls aber ironische Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstdarstellung und Vermarktung, welche durch ihr exorbitantes Überangebot in Verruf geraten ist. Selfies werden vermehrt als überflüssig, selbstverliebt, verzweifelt oder schlicht aufmerksamkeitssüchtig wahrgenommen, weshalb es einer gewitzten Entzerrung bedarf. Die Legitimation dieser massenmedialen Popularität des Selbstporträts wird im virtuellen Raum hinterfragt – und durch das Entziehen der Ernsthaftigkeit erlangt die Selbstdarstellung, das Selfie, für Betrachter:innen erneut an Plausibilität.

Soziale Netzwerke bieten nie dagewesene Möglichkeiten, Personen in privaten und unzugänglichen Momenten virtuell nahe zu sein, ohne dass diese Situationen jemals in Wirklichkeit stattfinden würden. Was im Instagram-Zeitalter zur Normalität geworden ist, wird kritisch betrachtet: zeitgenössische Schönheitsideale und Wertvorstellungen werden hinterfragt, und die Paradoxie des intimen Augenblicks findet gemalten Einzug in die Realität.

Ephemere Aspekte des Titels spiegeln sich in den Werken wider. Fragen wie „Was macht mich aus?“, „Wie sehe ich mich?“, „Was gehört zu mir?“ und „Wie gelingt ein Zusammenhang zwischen dem Körperlichen und dem Psychischen?“ verschmelzen im Malprozess miteinander. Die mediale Vermarktung weicht der malenden Selbstreflexion – eine auf Ästhetik fokussierte Darstellung wird durch die persönliche, authentische Auseinandersetzung mit dem eigenen Sein erweitert, wenn nicht gar ersetzt.

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